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Referenzen

Digitale Bildung

Elisabeth Glaser – Medienpädagogik Studentin begleitete mich bei einem Schülerprojekt an der BS Vilshofen im März 2016 und erstellte folgende Reportage (im Rahmen ihres Studiums)

Jugendliche und ihre digitalen Begleiter
Von Medienkompetenz und vermeidbaren Gefahren

Knapp sechzig Paar Augen starren wie gebannt auf das Bild an der Leinwand. Der Anblick der nackten Frau hat die lockere Stimmung abrupt getrübt. Keiner spricht oder lacht mehr. Zu hören ist nur das leise Summen von Laptop und Beamer.
In dem großen, hohen Raum unter dem Dach sitzt das Publikum auf akkurat aneinander gereihten Holzstühlen.  An der Decke ragen dicke dunkle Dachbalken aus den schneeweißen Wänden wie hölzerne Rippen. Vorne, auf einer kleinen Erhöhung vor der Leinwand, steht ein schlanker Mann mit kurzen dunklen Haaren. Mit Ende dreißig ist er etwa doppelt so alt wie seine Zuhörer. In der dunklen Anzughose, den hellbraunen Lederschuhen und dem blassblauen Hemd mit Flicken auf den Ellbogen sieht er aus wie ein stereotypischer Vertreter seiner Zunft.
Martin Fritz ist Lehrer. Er unterrichtet an der Wirtschaftsschule Passau, die sich seit dem Schuljahr 2011/2012 „Referenzschule für Medienbildung“ nennen darf. Das Staatsministerium startete 2010 ein Projekt, in dessen Rahmen innerhalb der folgenden sechs Jahre sukzessive ein Netzwerk von insgesamt circa 150 Referenzschulen aller Schularten aufgebaut werden sollte. Nun im Jahr 2016, nach Ablauf der Frist, kann man dieses Ziel als erreicht betrachten. 149 Schulen haben inzwischen den Status Referenzschule für Medienbildung. Doch Grund zum Ausruhen ist das noch lange nicht. Die Schulen sollen im Austausch miteinander ein Konzept zur Förderung von Medienkompetenz entwerfen und ihren Schützlingen so einen sicheren und effizienten Umgang mit digitalen Medien lehren. Zur Seite stehen ihnen dabei speziell ausgebildete Lehrer, die medienpädagogisch informationstechnischen Berater. Doch nicht nur die Unterstützung der Referenzschulen, auch Fortbildungsangebote, individuelle Beratungen, Information von Eltern und die unmittelbare Arbeit mit Schülern anderer Schulen gehören zu den Aufgaben eines „Mib‘s“.

„Ich bin ein Mib“, sagt Fritz zu Beginn seiner Präsentation. Die Berufsschule Vilshofen hatte ihn gebeten, einen Vortrag zum Thema soziale Medien, Internet und deren Gefahren zu halten. „Das steht für Man In Black“, scherzt er und die Schüler lachen. Nach einer kurzen Einleitung geht es auch schon los. Über die Ängste in Verbindung mit Internet und Smartphone wolle er reden. Ein kurzer Klick auf dem Laptop und der Beamer projiziert das Symbol eines leeren Handyakkus an die Leinwand. Noch ein Klick und das Icon einer fehlenden Internetverbindung erscheint. Gelächter und zustimmendes Kopfnicken im Publikum. Der alte Mann auf der Bühne scheint doch ein bisschen Ahnung von dem zu haben, was Jugendliche von heute interessiert. Doch wovor sollte man tatsächlich Angst haben, wenn man das Handy immer bei sich trägt? Mithilfe eines kurzen Videos will Fritz es den Schülern erklären. Zu sehen ist eine junge Frau Anfang zwanzig die von einer App ihres Smartphones ausspioniert wird. Dabei sind die Speicherung aller Suchanfragen und des Bewegungsprofils noch nicht das Schlimmste. Die nächste Szene zeigt, dass auch die Handykamera unbemerkt mitfilmt und so die nichts ahnende Protagonistin einfängt, als diese unbekleidet auf dem Weg ins Badezimmer ist. Fritz hält das Video an. Alle starren auf das Standbild der nackten Frau. „Und genau das kann euch auch passieren“.
Viele Nutzer sind sich nicht im Klaren darüber, was sie bei der Installation einer App in Kauf nehmen. WhatsApp gestattet man leichtfertig den Zugriff auf Kamera und Mikrofon. Facebook überschreibt man die Rechte an geteilten Bildern. Und mit der Freigabe der Standortlokalisation können Apps wie GoogleMaps und Siri genau nachvollziehen, wann wer wo unterwegs war.

Das erschreckende dabei ist, dass nicht nur derartige Anwendungen, sondern auch jede Privatperson, die sich genügend über das Ausspionieren anderer via Smartphone informiert, relativ leicht auf alle diese Informationen zugreifen kann.
„Wie viele von euch nehmen denn das Handy mit ins Badezimmer?“ möchte Fritz wissen. Verstohlen blicken die Schüler um sich und einige recken zaghaft die Arme in die Höhe. „Ja und plötzlich hat dann irgendjemand ein solches Bild von euch. Und vielleicht verbreitet es derjenige dann auch noch“.
Ein Einzelfall wäre das definitiv nicht, wie Fritz anhand eines Gerichtsurteils erklärt. Versendet ein 13-Jähriger ein solches Bild einer Gleichaltrigen, drohen trotz seines jungen Alters hohe Geldstrafen. Handelt es sich hierbei doch nach geltendem Recht klar um die Verbreitung kinderpornografischer Inhalte.
Zum Ende seiner zweistündigen Präsentation scheinen die Kerninhalte bei den jungen Zuhörern angekommen zu sein. So verlockend der technische Fortschritt mit all seinen Möglichkeiten auch ist, sollte man nicht zu leichtfertig in der Nutzung digitaler Endgeräte oder sozialer Medien sein. 

„Schaltet das Handy ab und zu mal in den Flugmodus, informiert euch und ändert regelmäßig euer Passwort“, rät Fritz bevor er sich verabschiedet. Zur Belohnung erntet er Applaus und die Gewissheit, etwas bewirkt zu haben. So meint ein Mädchen, sie werde ihr Smartphone nun nie mehr mit ins Bad nehmen und eine andere versichert, auch ihren Freunden und Geschwistern von dem zu erzählen, was sie heute von dem Man in Black gelernt hat.


Nach einem Elternabend im Frühjahr 2018 erschien folgender Artikel in der Tageszeitung.

„Starke Kinder brauchen starke Eltern“ Die Staatliche Wirtschaftsschule lud interessierte Eltern und Erziehungsberichtigte der Wirtschaftsschule sowie der benachbarten Dreiflüsse Realschule zu einem gemeinsamen Informationsabend in die schuleigene Mensa „kostbar“ ein.  Thema des Vortrages des medienpädagogisch-informationstechnischen Beraters Martin Fritz, der zugleich auch an der Staatlichen Wirtschaftsschule unterrichtet, war „Tatort Internet – Starke Kinder brauchen starke Eltern“.

Auf unterhaltsame Weise klärte der Referent über die Gefahren des Internets auf und zeigte Möglichkeiten, wie Eltern ihre Kinder mit Smartphone, Tablet und PC möglichst sicher ins WorldWideWeb entlassen können. Konkret wurde auf die Gefahren und rechtlichen Konsequenzen von Cybermobbing und Cybergrooming hingewiesen und wie Eltern reagieren sollten, wenn ihr Kind mit unangemessenen Inhalten in Kontakt kommt. Dabei betonte der Referent immer wieder, dass in solchen Fällen das elterliche Verständnis für die Kinder das Allerwichtigste sei, da Kinder und Jugendliche die Gefahren im Netz häufig unterschätzten, auf die Inhalte nicht vorbereitet seien und dadurch oft auch nicht wüssten, wie sie damit umgehen sollen. Des Weiteren wurden grundsätzliche Verhaltensregeln im Netz erläutert sowie Empfehlungen für Einstellungen von Hard- und Software gegeben, um die Benutzersicherheit zu erhöhen. Zudem wurden Apps und Mechanismen vorgestellt, welche die Nutzung von Smartphone und Tablet regulieren helfen. Unumgänglich sei es für Eltern, so der Referent, hinsichtlich der Mediennutzung als Vorbilder zu fungieren und ihre Kinder vor negativen Trends zu bewahren bzw. darin zu bestärken, dass man nicht alle Trends mitmachen soll und muss. Da eine ständige elterliche Kontrolle gerade Jugendlicher im Netz schwierig ist, müsse zumindest ein aktiver und vertrauensvoller Austausch im Elternhaus stattfinden, um nachvollziehen zu können, was die Kinder im Netz machen und mit welchen Inhalten sie in Kontakt kommen. Denn, und das betonte Martin Fritz immer wieder, das Internet vergisst nichts und jeder einzelne von uns hinterlässt durch die Nutzung dauerhaft nachverfolgbare Spuren im Netz. Und gerade unbedachte Bilder und Posts können hinsichtlich einer Bewerbung und dem Einstieg ins Berufsleben für unsere Kinder problematisch werden. Im Anschluss an den zweistündigen Vortrag wurde der rege Austausch zwischen dem Referenten und den Zuhörern noch fortgeführt.